Einen besonderen Stil zu haben, bedeutet auch ein besonderes Verhalten zu haben. Eine im Chanelkostüm gekleidete Dame, die mit Manolo Blahnik High Heels und einer Hermès Birkin Bag aus dem Mercedes steigt, wirkt auf den ersten Blick elegant, gut betucht, stilvoll und vor allem gebildet und wohlerzogen. Setzt diese jedoch versehentlich  einen Fuß in eine tiefe Pfütze und schreit: „Verdammte Sch…, welcher Vollidiot hat mich bei diesem Dreckswetter genau über diesem besch… Drecksloch abgesetzt!“ ist jeglicher Stil dahin – Garderobe hin oder her. Eine Frau mit Stil kann sich also auch in unangenehmen Situationen entsprechend Verhalten.

Ich hatte da diese Situation im Aufzug, von der ich gerne erzählen möchte. Seit dem bin ich der Meinung, so zu tun als ob das völlig normal ist, ist auch immer eine gute Option ☺. Ich hatte ein Meeting mit einer Kollegin und wollte mir vorher noch einen Kaffee bei dem kleinen Café gegenüber des Büros holen. Mein Kollege bekam das mit und fragte, ob ich ihm auch einen Kaffee mitbringen könnte. Klar sagte ich einmal schwarz, richtig? Ich lief also kurz zu diesem Café und bestellte zwei Kaffee to go, einen schwarz und einen mit Milch. Um nicht den falschen abzugeben, malte die nette Verkäuferin ein schwarzes Kreuz auf den Deckel mit dem Milchkaffee. Ich also schnell wieder rüber zu mir an den Platz, den Kaffee abgeben, also einmal durch den Eingangsbereich, in den hinteren Flügel 2 Etagen hoch, zwischendurch trank ich natürlich schon mal (denn, wer so kaffeesüchtig ist, kann nicht einen Kaffeebecher mit herrlich duftendem Kaffee durch das ganze Gebäude tragen, ohne davon zu trinken…). Dann schnell die Unterlagen geschnappt, meinen Kaffee und wieder einmal quer durchs Gebäude, am Empfang vorbei in einen anderen Trakt und hier ganz nach oben. Zwischendurch habe ich mich noch sehr nett und angeregt mit einem Kollegen im Aufzug unterhalten. Als ich dann endlich bei meiner Kollegin ankam, starrte sie mich mit großen Augen an: „Was hast du denn gemacht? Trägt man das jetzt so?“ Ich sagte: „Hä, wieso? Sitzt mein Lidstrich nicht?“ Und sie: „Na du hast ein großes, schwarzes Kreuz auf der Nase……“ Oh je, dachte ich. Das Kreuz von meinem Kaffeebecher. War ja klar. Und ich laufe noch durch das ganze Gebäude und grüße auch noch alle nett. Ganz zu schweigen von meinem langen Aufzuggespräch. Hätte das denn nicht mal jemand sagen können? Natürlich war mir das schlagartig unendlich peinlich, obwohl wir beide wirklich herzhaft darüber lachen mussten. Ich hatte noch Glück, dass die Farbe nicht wasserfest war. Und natürlich, dass sie einwandfrei zu meinem sehr breitem, schwarzen Liedstrich passte. Aber was habe ich daraus gelernt. Es ist viel einfacher sich in peinlichen Situationen darauf zu konzentrieren, dass das jedem passieren kann und völlig normal ist, und dass es jetzt halt gerade mir passiert ist, als sich Gedanken zu machen wie peinlich das Ganze ist und wie ich da so schnell wie möglich wieder rauskomme. Also, in der nächsten peinlichen Situation einfach versuchen so selbstbewusst wie möglich, trotz schwarzem Kreuz auf der Nase, und erhobenen Hauptes die Situation entschärfen ☺

2017-12-22T17:55:08+00:00