Man fühlt sich einfach sicherer, wenn man sich in seinem Outfit wohl fühlt. Man ist einfach deutlich selbstbewusster und tritt viel stärker auf, wenn man nicht die ganze Zeit den Bauch einziehen muss oder an seinem Hemd herumzupft, weil es ständig verrutsch. Gerade bei wichtigen Terminen stelle ich mir vorher ein passendes Outfit zusammen, welches dem Anlass entspricht. So kann ich mich zu 100 % auf den Termin konzentrieren und denke nicht darüber nach warum mein Top nicht zu meiner Hose passt, die ich im letzten Moment noch hinten im Schrank gefunden habe, da meine Lieblingshose gerade in der Wäsche war. Zu einem perfekten Outfit gehören natürlich auch Accessoires und die passende Pflege. Hierzu zählen für mich bei Männern, ein gepflegtes Gesicht mit gezupften Augenbrauen und einem gepflegten Bart (wenn vorhanden). Bei Frauen ein passendes Make-Up, die passende Frisur, sowie der passende Schmuck und natürlich auch gepflegte Hände und Füße mit dem zum entsprechenden Termin passenden Nagellack. Also eher eine schlichte, neutrale Farbe oder Klarlack zu einem Businesstermin und auch mit mehr Farbe, wenn es zu einem Dinner oder Event geht. Natürlich sollten auch Männer stets gepflegte Nägel haben, sonst kann man sich sicher sein, dass beim nächsten Business Meeting die Runde am Tisch mehr damit beschäftigt ist, sich auf die ungepflegten Fingernägel als auf das zu konzentrieren, was man wirklich zu sagen hat.
Ich versuche das grundsätzlich umzusetzen und bereite mich immer auf solche Events vor. Das Problem sind leider die nicht vorhersehbaren Treffen. Hierzu zählen die zufälligen Treffen mit dem Chef, wenn man mal eben kurz Samstagabend noch eine Aufbackpizza bei Real besorgen möchte. Oder das Treffen eines Kollegen auf dem Weg ins Fitnessstudio. Hier geht es nicht darum, dass man das perfekte Make-Up trägt oder die Sporttasche zum Haarband passt. Hier geht es mehr um das Gefühl, genauso in diesem Moment nicht von meinem Gegenüber gesehen zu werden.
Ein weiteres Problem sind die spontanen Meetings in die man in letzter Sekunde im Büro dazu gerufen wird, oder die kurzfristig angesetzt werden. Ein kleines Notfall-Set habe ich immer in meinem Roll-Container unter meinem Schreibtisch. Darin befindet sich, in einer kleinen Kosmetiktasche (Gott ich liebe kleine Kosmetiktaschen…. Was auch immer in so einer kleinen Tasche verkauft wird, ich springe darauf an… Kleine Alltags-Kosmetik-Produkte nett verpackt in einer passenden kleinen Tasche. Ich liebe sie, auch wenn mich mit dem Kauf direkt das schlechte Gewissen packt wegen der Umweltverschmutzung. Zu viele kleine Verpackungen mit jeder Menge überflüssigem Müll – das muss dringend aufhören)… ein Puder, ein Lippenstift (oder 2, oder 3… vielleicht auch mehr.. ), ein Deo, eine Haarbürste, ein paar Pflaster und ein Nagellack. Ja richtig, ein Nagellack. Den ich auch schon hier und da mal gebraucht habe. Ich hatte folgende Situation an einem vergangenen Freitag. Ich arbeitete für ein großes Modeunternehmen und war unter anderem Zuständig für die Fenstergestaltung in den Häusern. An jenem Freitag hatte ich keine Termine im Terminplaner und freute mich morgens auf einen entspannten Freitag. Da ich für abends ein Treffen mit meinen Freundinnen geplant hatte und mich dafür richtig schön stylen wollte, entschied ich mich für ein bequemes Outfit im Büro. Meine schwarzen Boots zum Blumenkleidchen, eine Strumpfhose und so gut wie kein Make-Up. Die paar Stunden sollte es so gehen. Natürlich kam prompt um 13 Uhr mein Chef zu mir, mit der Bitte den Verantwortlichen für Deutschland die Windowlines zu präsentieren. Mist!!!! Panik!!! Ich kann mich nicht zu 100% auf ein Meeting konzentrieren, wenn ich die ganze Zeit versuche meine Finger zu verstecken weil mein Nagellack abblättert. In dem Fall hatte ich nicht mal Nagellack drauf. Panisch griff ich in meinen Rollcontainer. Ein Lippenstift – check. Ein wenig Puder – check. Noch schnell den Nagellack, dann sollte es einigermaßen passen. Zielstrebig ging ich auf die Damentoilette, doch leider tummelten sich hier natürlich zur Mittagszeit eindeutig zu viele Damen. Also ab in die Küche. Während ich mein Nagellackfläschchen aufdrehte – zwischen Mikrowelle und Kaffeemaschine – überlegte ich noch, welchen Eindruck das wohl bei meinem Chef hinterlassen würde, wenn er die Küche betreten würde um sich einen Kaffee zu holen – nein… zu Riskant. Ein neuer Plan musste her. Ich entschied mich für einen der Konferenzräume im Erdgeschoss des Gebäudes. Direkt im ersten Raum hatte ich Glück, der Raum war dunkel und niemand befand sich darin. Ich schaltete schnell das Licht ein, sprang um den Konferenztisch herum in die andere Ecke des Raumes – warum auch immer ich mir die Mühe machte, einmal um den riesigen Tisch herum zu gehen… ich habe keine Ahnung. Ich setzte mich und schraubte das kleine Fläschchen mit der rettenden Farbe in Windeseile auf. Als ich gerade dabei war den ersten Nagel zu bestreichen hörte ich eine dunkle Stimme durch den Raum hallen: „Whoever entered this room, can you please switch on the microphone, I can not hear you….!!!!!“ Ich erstarrte…. Schande… was war das denn. Erschrocken drehte ich den Kopf zur Seite und blickte natürlich in einen von diesen riesigen Videokonferenz-Bildschirmen mit einem Erstaunten Inder am anderen Ende!!!! Shit, was jetzt…. Ich konnte wohl kaum so tun, als ob ich nicht da wäre. Mutig erhob ich mich, beugte mich über den Tisch bis hin zur Konferenzspinne und betätigte den Lautsprecherknopf. Seltsamerweise blieb mein Körper automatisch in dieser Haltung, auch wenn ich jetzt in jeder Ecke des Raumes hätte stehen können, er hätte mich gehört. Ich sagte: “HHHEEELLLOOOOO…… ähmmmm, actually it is not me you are waiting for… I was just… mhmmm per accident in this room.“ Und dann schoss es mir blitzartig durch den Kopf, dass ja theoretisch derjenige auf dieser Seite des Bildschirms, dessen Videokonferenz das hier gerade ist, auch hier sein müsste. Und schon ging die Tür auf und der Personalchef, gefolgt von seinem Assistenten, seinem Personalmanager und dessen Assistenten und gefühlt weitere 10 Leuten stürmten den Konferenzraum. Warum auch immer ich auf der gegenüberliegenden Seite des Konferenztischs, mit der weitesten Entfernung zum Ausgang saß und immer noch über der Konferenzspinne hing, ich hatte keine Ahnung. Immer noch quasi über dem Konferenztisch hängend also, musste ich eine Möglichkeit finden möglichst elegant mit meinem Nagellack aus dem Raum zu gelangen. Ich nahm also wieder eine aufrechte Position ein, winkte meiner neuen Bekanntschaft aus Indien lieb zu und ging erhobenen Hauptes am Personalteam vorbei. Was habe ich aus dieser Geschichte gelernt? Zum Einen dass ich eine echt lustige Story hatte, für mein nächstes Teammeeting und zum Anderen, dass ich mich immer so anziehen sollte, dass ich mich wohl fühle und auch spontan in Meetings gehen kann, wenn ich eingeladen werde. Man weiß nie, was der Tag einem bringt! 😉

2017-12-01T19:09:22+00:00